EKD spricht Klartext

Bisher wurde von Diakonie und Caritas die Praxis, Stellenbewerber*innen zum Kircheneintritt zu „motivieren“, man könnte auch „nötigen“ sagen, eher bestritten.

In der Denkschrift Religiöse Bildung angesichts von Konfessionslosigkeit der EKD von 2020 wird auf Seite 42 unumwunden beschrieben was das Problem der Diakonie im Osten Deutschlands ist:

Engagieren sich Kirchengemeinden in der Kindertagesstättenarbeit,
so sind nicht allein die Kinder i. d. R. zumindest zur
Hälfte konfessionslos, sondern des Öfteren auch Erzieherinnen
und Erzieher sowie weiteres Personal. Anders gesagt: Es
ist schwierig, erzieherisch tätiges Personal zu finden, das in
der Lage ist, religionspädagogische Konzepte, die auf Transparenz
evangelischer Positionalität setzen, zu realisieren und
als Personen glaubwürdig zu vertreten –

Wie die angestrebte Glaubwürdigkeit in der Praxis hergestellt wird, folgt sogleich:

– zumal nicht wenige konfessionslose Erzieherinnen und Erzieher erst aus Anlass ihrer Bewerbung um eine Stelle bei einem kirchlichen Träger Kirchenmitglied werden (womöglich primär um die Anstellungsbedingungen des Trägers zu erfüllen).

Die Scheinheiligkeit mit der sich dringend gesuchte, qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten müsssen, ist der EKD also durchaus bewusst. Die klare Erwähnung in der Denkschrift zeigt, das es sich dabei nicht nur um Einzelfälle handeln kann.

GerDiA kritisiert, dass säkular eingestellte Menschen in vielen Gegenden Deutschlands keine andere Chancen haben als (dem Schein nach) einen Glauben anzunehmen, nur um ihrem Beruf nachgehen zu können. Das ist diskriminierend und widerspricht der Religionsfreiheit.

Januar 29, 2020

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