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Die Kampagne „Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“ (GerDiA) setzt sich für Weltanschauungsfreiheit in der Arbeitswelt ein. Sie fordert, die Gültigkeit des Betriebsverfassungsgesetzes auf kirchliche Sozialeinrichtungen auszuweiten, damit die dort Beschäftigten zukünftig ihre private Lebensführung nicht mehr an kirchlichen Vorgaben ausrichten müssen und die üblichen Mitbestimmungsrechte erhalten. 

 

Informationen für Bundestagsabgeordnete

Sozialeinrichtungen sind keine kirchlichen Einrichtungen!

Anlässlich der Anhörung „Grundrechte der Beschäftigten von Kirchen und kirchlichen Einrichtungen stärken“ vor dem Ausschuss für Arbeit und Soziales hat die Kampagne „Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“ (GerDiA) am 19. März 2012 alle Bundestagsabgeordneten angeschrieben, auf die diskriminierenden Folgen des kirchlichen Arbeitsrechts hingewiesen und die Aufhebung der Sonderregelungen im Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (§ 9 AGG) gefordert.

 

 

Pressemitteilung vom 29.2.2012

Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz

Die europäischen Antidiskriminierungsbestimmungen müssen auch in kirchlichen Einrichtungen gelten! Dies ist Ziel der Kampagne „Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“ (GerDiA), die am heutigen Mittwoch gestartet ist. Sprecherin der Kampagne ist die ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin Ingrid Matthäus-Maier. Sie betrachtet die „offensive Ausgrenzungspolitik kirchlicher Betriebe“ als einen „Skandal, der nicht weiter hingenommen werden darf“.
Zentrale Forderung der Kampagne ist es, „die Religions- und Weltanschauungsfreiheit in allen öffentlich finanzierten Sozialeinrichtungen zu gewährleisten“. Das kirchliche Arbeitsrecht führe hier zu „offenkundigen Verstößen gegen das Grundgesetz“. Religionsgesellschaften dürften sich nicht in die private Lebensführung ihrer Angestellten einmischen. Zudem müssten die dort Beschäftigten „die gleichen Rechte wie andere Arbeitnehmer haben, also einen Betriebsrat bilden und streiken dürfen“. „Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum für Caritas und Diakonie andere Bestimmungen gelten sollten als für die Arbeiterwohlfahrt“, erklärt GerDiA-Sprecherin Ingrid Matthäus-Maier. Der „besondere Tendenzschutz“ für Religionsgemeinschaften nach Paragraph 118, Absatz 2 des Betriebsverfassungsgesetzes müsse ersatzlos gestrichen werden.
Konzipiert wurde die Kampagne vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs). Die Initiatoren hoffen auf breite gesellschaftliche Unterstützung. „Viele Menschen empfinden es als unhaltbaren Zustand, dass in Krankenhäusern und Altenheimen das Personal nach der Religionszugehörigkeit eingestellt wird“, meint IBKA-Vorsitzender René Hartmann. „Eine derartige Diskriminierung von Konfessionslosen und Andersgläubigen ist nicht hinnehmbar.“ Michael Schmidt-Salomon, Vorstandsprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, stimmt zu: „Ärztinnen, Altenpfleger, Kindergärtnerinnen oder Schuldnercoaches haben keinen Verkündigungsauftrag. Deshalb darf die Religionszugehörigkeit keine Rolle dabei spielen, ob ein qualifizierter, engagierter Mensch eine Arbeitsstelle erhält oder nicht.“
Um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, hat die Kampagne unter der Adresse www.religioese-diskriminierung.de eine Webseite konzipiert, die über die Thematik aufklärt. Dort kann Kontakt zur GerDiA-Koordinierungsstelle aufgenommen werden, die in den kommenden Monaten Fälle von religiöser Diskriminierung am Arbeitsplatz dokumentieren wird.